Der neue Morgen war längst angebrochen als Cinlir Winthallan an dem großen Tisch in seinem Privathaus saß. Ein Arbeitszimmer gab es hier nun nicht mehr. Man hatte es zum Kinderzimmer umfunktioniert. Warim hatte die beiden Wiegen aufstellen lassen. Und schon jetzt konnte Cinlir Gertrude Quitte, die dicke Amme mit dem freundlichen Gesicht, die vielleicht zwei Jahre jünger war als Cinlir selbst aber irgendwie so gar nicht danach aussah, im Zimmer vor sich hin reden hören. Da sonst niemand im Raum war, sprach sie wohl mit den Kindern.
Der frisch gebackene Vater selbst hatte ein noch leeres Pergament vor sich liegen und eine Schreibfeder in der Hand. Sein Blick floh kurz zum Kaminfeuer. Es brannte hell genug. Nachdenklich betrachtete er die Flammen eine ganze Weile, ehe er sich letztendlich wieder dem Pergament zuwandte und zu schreiben begann.
Geliebter Vater,
Heute wärst Du stolz auf Deinen Sohn. Ich weiß, dass alles, was Du zu Lebzeiten tatest zu meinem Besten war. Eine Form Deiner Liebe für Deine Familie. Umsicht für Deine Untertanen. Und Zuneigung zu Deinem Sohn. Aber Deines Stolzes war ich mir nie so gewiss, wie ich es heute bin. Denn heute hat Sybell mir zwei Kinder geschenkt.
Das Mädchen, zuerst geboren, hat ihre Augen und wird sicherlich, sobald sie alt genug ist, auch das Lächeln ihrer Mutter haben. Ich weiß, Du hast ihr Lächeln immer besonders geschätzt, auch wenn Du mich den Geschmack dafür erst lehren musstest. Ihr Name ist Ailis. Sie wird, irgendwann, eine sehr gute Partie für jemanden werden. Da bin ich mir sicher. Und das nicht nur, wegen des hohen Namens, den sie für ihre Familie trägt.
Mein Erbe… Wir nennen in Theron. Ich glaube, er hat meine Augen. Und besinnt sich schon so früh seiner Manieren, dass er offensichtlich seiner Schwester den Vortritt ließ zu mir zu kommen. Ein kräftiger Knabe, Vater. Ich bedaure, dass Du ihn nicht selbst sehen kannst, heute. Du hättest ihm so viel beibringen können… Dennoch hege ich keinen Zweifel, dass er unsere Linie würdig fortsetzen wird.
Denn… Die Männer und Frauen dieses Hauses, Vater, des Hauses, das mir Erbe wurde nicht durch Deinen Namen, sondern den eines Fremden… Sie wachsen mir mehr und mehr ans Herz. Die Treue derer, die blieben, ist grenzenlos. Ich weiß, sie werden mich in jede Schlacht begleiten, von der ich glaube sie führen zu müssen. Ihre Reihen werden niemals brechen. Zwar mögen einige von ihnen die Art eines gondorischen Fürsten so nicht gewohnt sein, jedoch scheinen sie langsam zu erkennen, dass nichts von dem, was ich tue, gegen sie gerichtet ist. Durch Dein Beispiel weiß ich, dass es für den anderen nicht immer leicht ist zu erkennen, wo das Gute in dem liegt, was Du für mich tatest und ich nun für jeden hier tue.
Aber ich werde es nicht mehr allein tun müssen. Meine Frau steht treu an meiner Seite, trotz all meiner Fehler. Und aller Stärken. Meine Eidmänne und -Frauen halten die Treue. Und sogar einer der Unsterblichen findet nun seinen Weg hierher und wird mir, wie ich hoffe, als Berater zur Seite stehen. Vielleicht sogar als Freund. Er gab Prinz und Prinzessin bereits seinen Segen, sogar noch ehe sie geboren wurden. Und so treten wir alle gemeinsam ein Erbe an und stehen bereit dafür, eine Zukunft zu schaffen, die all unserer Namen wert ist.
Ich beginne daran zu glauben, Vater.
– Cinlir Winthallan –
Mit Sybell, Ailis und Theron Winthallan.
Ruhig legte der Herzog die Schreibfeder beiseite, griff das Papier und wedelte es etwas in der Luft, damit die Tinte schneller trocknen konnte. Als das geschehen war, siegelte er den Brief, hielt ihn eine Weile in der Hand. Dann führte ihn sein Weg durch das Haus. Zuerst zu Sybell, die noch schlief. Erschöpft musste sie sein, nach wie vor. Er hatte sie die ganze Nacht in den Armen gehalten, auch wenn er selbst kein Auge zugetan hatte. Er hatte selbst angestrengt auf die Geräusche zwei Zimmer weiter gelauscht. Jeder Schrei, egal wie schnell Gertrude sich um das Kind gekümmert hatte, ließ ihn aufhorchen. Er musste sich zwingen, liegenzubleiben. Sybell selbt war nicht aufgewacht. Jedenfalls hatte er nichts dergleichen wahrgenommen. Es wunderte ihn auch nicht.
Mit dem Brief in der Hand trat er an ihr gemeinsames Bett, legte ihr das Papier für ein paar Augenblicke gegen die glatte Stirn. Als er es weg nahm, beugte er sich kurz zu ihr und küsste genau diese Stelle. Leise schlich er sich davon, betrat das Zimmer der Kleinen. Er hatte kaum einen Fuß hineingesetzt, da begann Gertrude auch schon davon zu schwärmen wie hübsch die beiden doch waren und wie stolz der Papa doch sein könne. Nicht, dass man Cinlir daran hätte erinnern müssen. Er war stolz. Durch und durch. Und wenn er sich gestern nicht sehr getäuscht hatte, dann, so glaubte er, der ganze Haushalt mit ihm.
Sein Weg führte ihn zuerst zu der kleinen Ailis, der er ebenfalls den Brief kurz an die Stirn hielt. Er lächelte, als sie versuchte den Kopf vor dem großen, für sie unidentifizierbaren Etwas, wegdrehte. Er belästigte sie nicht länger damit, strich ihr stattdessen mit dem kleinen Finger liebevoll über die Wange. Dann trat er an Therons Wiege und hielt auch ihm kurz das Schreiben an die Stirn. Der Junge blinzelte nur müde und gab irgendwelche Geräusche von sich, die Cinlir nicht zuzuordnen wusste. Er ließ die Hand mit dem Brief sinken.
Schon seltsam. Nichteinmal Sybell hatte er so klein gesehen. Dabei war sie damals, als man ihm mitteilte er würde sie dereinst heiraten müssen, nur wenige Monate älter gewesen. Er hatte damals nicht ahnen können, dass er sie tatsächlich lieben würde. Und noch weniger hatte er ahnen können, wie sehr er diese zwei kleinen Wesen, die ausgerechnet sie ihm schenkte, lieben könnte.
Mit einem Lächeln kehrte er um und ging zurück in den Hauptraum. Er trat vor den Kamin. Einige Augenblicke später überließ er die Nachricht den Flammen. Damit sie die Worte an ihr Ziel bringen konnten.
*tränen wegwisch und schnief* Toller Blog. Danke Dir.
Ganz groß, Alex. Wirklich schöner Blog. *nick, nick*
Ohja…wirklich schön…aber Fia hatte Recht *g*
Ich sag’s dir nur ungern – nein, hatte sie nicht. Er würde nach wie vor jeden hier verteidigen, wie seine Kinder. Weil sie wie seiner Kinder sind. Und wenn du dich auf den Kopf stellst. 😛
aber aber…da steht doch…menno 🙁 frag heri…sie hat immer recht :p
Fast immer.
Toller Blog
In Valar garberia mâb or i agar Winthallan an uir. (oder so)
*schüff* Viel viel toll! Ganz schöhön!
Hrrhrr. Kann mir mal wer den Elb übersetzen? o.o
Lieber nicht. Sonst findet noch jemand raus, daß ich eigentlich gar kein Sindarin spreche.
Aber ich will das doch wissen!
Frei übersetzt heißt es: Mögen die Valar eine schützende Hand über das Blut Winthallans halten in Ewigkeit.
Siehst du – schon fühl ich mich besser. 🙂
Schnüffig toller Blog. Super.
Nai tiruvantel ar varyuvantel i Valar tielyanna nu vilya
*hüstelt*
San! Übersetzen! *g*
Ja, das ganze Haus ist stolz, wahrscheinlich auch auf Cinlir, der die Geburt ja ganz ordentlich überstanden hat 😉
May the Valar protect you on your path under the sky *Solan zuschieb*
Ah! *sich erleuchtet fühl* Seid’s ihr alle lieb. 🙂