Lange Wege …

Akirah Taramer
12. Februar 2011 • Kommentare: 0

… die hatte er hinter sich gelassen. Seine Reise hierher, sie war im Grunde ruhig und unspektakulär gewesen. Jedenfalls würde er das genau so angeben, würde man ihn fragen. Denn für ihn war es weder etwas besonderes, dass er auf dem Weg vor seinem Ziel den Weg einiger Wegelagerer gekreuzt hatte, noch, dass die Tavernen an den Wegen meist innen noch schrecklicher waren, als es von außen vermuten ließ.

Jedoch waren die Fronten schnell geklärt und sie hatten davon abgesehen, ihn weiter auf zu halten. Er erlag nicht dem Irrglauben, dies habe er einzig seiner Erscheinung zu zu schreiben. Viel mehr waren es halbstarke Burschen gewesen, die sich ihrer Sache weniger sicher waren als sie zu Beginn wohl geglaubt hatten.

Aber nun war er angekommen und was bot sich ihm?

Schlicht sein Dienst zu einen, daran war er gewohnt, er tat es gern auch wenn man es ihm wohl eher weniger ansah. Es war seine Pflicht und einer Pflicht kam man nach, gleich wie die eigene Verfassung an manchen Tagen war. Solange man sie erfüllen konnte, hatte man dies auch zu tun. Er hatte, nach seiner nicht gerade kurzen Reise auf ein wenig Ruhe gehofft. Den Tag hatte er damit verbracht seinen Dienst im Morgen zu verrichten und sich danach in Bree um zu sehen. Und danach? Ja, danach hatte er auf Ruhe gehofft.

Falsche, trügerische Hoffnung. Die Stimme war hell, laut, befehlend und er spürte wie sich in seinem Magen alles zusammen zog. Es gab nur zwei Wege, der erste würde zuerst ihr und anschließend, wenn es getan wäre wohl auch ihm Schmerz bringen. Aber er würde ihn gehen, es wäre nicht das erste Mal gewesen. Dennoch zog er den zweiten Weg vor, verließ das Wachhaus und nahm sein Pferd. In schnellem Ritt suchte er Bree erneut auf, die Gassen, die Strassen, er hasste es … er hasste es wirklich aber es half.

Jetzt graute der Morgen, er hatte gefunden was er gesucht hatte. Doch noch kroch die Sonne nicht über den Horizont hinweg, noch herrschte Dunkelheit. Im Schein einer Kerze, atmete er tief durch. Die Luft war noch von dem was geschehen war geschwängert. Er rümpfte die Nase, hob den Kopf und öffnete seine Augen. Der erste Blick ging an die Decke und noch ehe er ihn senken konnte, spürte er ein Tasten auf seiner Haut. Ein Säuseln drang an seine Ohren … sie war wach.

Sie hatte ihre Arbeit gut getan, wollte sie jetzt wieder tun, doch er schob sie weg. Warum, warum mussten Weiber immer denken, dass Mann es anders meinte, als das offensichtliche. Sie blieb, kroch näher und er stiess sie von sich. So heftig, dass sie auf dem Holzboden landete. Direkt danach landete ein Beutel neben ihr, fast achtlos hingeworfen, kullerten wenige Münzen heraus.

„Nimm es und geh!“

Während die harrschen Worte noch im Raum hingen, sie sich mühsam nach seiner rüden Abfuhr wieder aufraffte und die Münzen einsammelte, stand er auf, ging zu seinen Sachen und zog sich an. Wischte sich unwirsch durch das Gesicht.

Wieder dieser Geruch, widerlich. Das machten sie mit Absicht, das machten sie immer, sie säuselten, umgarnten, benebelten die Sinne und dann, dann brachten sie kaum mehr als Unheil. Er zog sein Hemd an, schnürte es zu und wandte sich um. Sein Blick fiel auf sie und er knirschte hörbar mit den Zähnen.

„Raus!“

Erschrocken sah sie ihn an, die Augen leicht geweitet und mit dem Rücken fast schon an die Türe gepresst, als er auf sie zuging.

Er saß auf seinem Pferd, sah die Siedlung im Licht des Sonnenaufgangs ruhig dort liegen. Es würde noch Zeit bleiben, sich zu waschen, etwas zu essen, Zeit die Waffen zu prüfen, Zeit die Uniform an zu legen und dann würde der Tag wirklich beginnen, dann begann sein Dienst. Und er würde ihn ausüben wie immer, als wäre nichts vorgefallen.

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