Im Keller des Gardehauses, genauer gesagt in der Waffenkammer desselben, sitzt der Rekrut. Um ihn herum liegen viele Schwerter, Dolche und andere Waffen. Die zahlreichen Klingen dürstet es… jedoch nicht nach Blut. Nein, vielmehr die Politur, die der Junge aufträgt ist es, was die Schwerter erwartet. Stumpfsinnig greift Tobian ein Schwert nach dem anderen. Betrachtet es. Mit einem Wetzstein entfernt er Rostflecken, bessert Scharten aus. Betrachtet es nochmal. Bessert wieder die Scharten aus, die er übersehen hat. Den beinahe unsichtbaren Rostfleck an der Fehlschärfe, direkt am Heft.
Dann poliert er. Im spärlichen Licht des Kellers glänzen die bereits polierten Waffen, dem jungen Dornlag scheinen es Edelsteine zu sein. Vom stechenden Geruch der Politur benebelt, driftet ein Verstand ab, in andere Welten, in Wirklichkeiten, die fernab der Realität liegen und für die Logik nur eine optionale Beigabe ist.
In der perfekt sitzenden Uniform der Wache steht Tobian vor der Tür. Seine erste Einzelschicht und direkt hat der Fürst sich jede Störung verbeten. Pflichtbewusst starrt er das Fenster an, entschlossen, mit eiserner Verbissenheit das Glas zu zerstarren.
Dann steht etwas vor ihm, jemand. Offenbar ein Südländer, der Farbe nach. Offenbar kein Freund von Seife, dem Geruch nach. Offenbar kein Frauenheld, dem Gesich- Moment mal! Hatte Robbi solche Wesen nicht beschrieben? Das musste ein Ork sein. Doch wie war er am Leutnant unten vorbeigekommen? Vermutlich einfach vorbeigegangen, während Elteror mit seinem ach so tollen Papierkram beschäftigt war. Nun stand der Ork vor ihm und grinst ihn an. Tobian ist verwirrt. Orks kamen üblicherweise, so hatte er gehört, nicht einfach in Häuser um Wachen freundlich anzulächeln. Also ist es vielleicht doch nur ein ungewaschener, nicht mit gutem Aussehen gesegneter Mensch?
„Was wünscht ihr? Seine Gnaden wünscht nicht gestört zu werden.“ bringt er es unsicher hervor. Ein gezischelter Satz ist die Antwort: „Wir haben deinen Bruder! Du wirst mich durchlassen, oder mit ihm ist es aus!“ – „Ich habe meine Anweisungen!“ – „Und ich deinen Bruder!“ – „Bist du dir denn überhaupt sicher, dass es mein Bruder ist? Ich meine, sieht er mir ähnlich?“
Der Ork blickt verwirrt. „Bist du nicht Tobi Dornlag?“ – „Ähm… nein.“ lügt Tobian. „Wer dann?“ – „Cinlir Winthallan“ – „Du lügst. Cinlir Winthallan ist dein Fürst, der Herr dieses Hauses“ – „Nein. Das bin ich“ – „Lügner“ – „Nein“ – „Doch“ – „Nein“ – „Doch“ – „was bringt dich zu der Vermutung?“ – „Der Name steht auf dem Briefkasten draussen.“
Tobian kaut auf seiner Unterlippe, weiß keine Antwort. Als der Ork mit den Worten „Nun lass mich durch!“ nähertritt, zieht Tobian das perfekt auf Hochglanz polierte Schwert. Der Glanz desselben erfüllt den ganzen Raum und wirkt für jedes hineinblickende Nachtaktive Lebewesen sofort tödlich. Winselnd kauert sich der Ork auf den Boden. „Nun hör mir zu!“ sagt Tobian. „Du wirst dich fortbegeben von hier. Und alle von deinesgleichen mitnehmen. Nun verschwinde!“
Der Ork zögert. „Aber… wir haben doch noch deinen Bruder.“ – „Nehmt ihn mit. Er ist eh ein Idiot.“ – „Sofort.“ – „Sofort WAS?“ – „Sofort, eure Poliertheit“
Auf dem Boden der Waffenkammer kam Tobian wieder zu sich, die ausgelaufene Politur verpasste dem Boden einen herrlichen Glanz. Fluchend stellte er die Flasche wieder hin. „Du Idiot! Dämlicher Bauerntölpel!“ Er stellte die Flasche zurück in das Regal und taumelte eilig zur Leiter in den Hauptraum, wo er sich mühsam hocharbeitete. „Ich darf nicht so lange da unten bleiben mit diesem Politurgeruch… das ist nicht gut…“
Nachdem er sich auf sein Bett gesetzt hatte schlief er sofort ein.
*lach* herrlich 😀
Schwerter sind Diamanten! Frag Cinlir!
Herrlich! Endlich erkennt jemand Robbis Talente! 😀
🙂 Jaja, so manch eine Substan vernebelt mal dem einen und mal dem anderen Rekruten die Sinne, gell… 😀