Auf dem Schreibtisch in Lefswiths Zimmer liegt ein Stück beschriebenes Pergament, welches beim ersten Hinsehen als Tagebucheintrag zu deuten ist, beim zweiten wohl auch. Die Schrift wirkt fahrig, erst im weiteren Verlauf ruhiger werdend.
Die Ereignisse überschlagen sich. Seit meiner Ankunft im Breeland fällt es mir schwer auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Vermag ich doch nicht mehr einen Faden zu finden, einen Halt, eine logische Reihenfolge zu erkennen, was ich als nächstes tun soll. Meinem Denken fehlt Resonanz von außen. Wie wichtig waren und sind mir doch Gespräche mit Vertrauten. Jemand, der mir einen Spiegel vorhält ohne mich zu verurteilen, der mir neue Wege zeigt, der mich schlicht auf meine Fehler hinweist und sich trotz selbiger nicht von mir abwendet. Bisher habe ich nur eine Person gefunden, der ich so viel Vertrauen schenke, um offen sprechen zu können. Ich hoffe mehr denn je, dass ich nicht wieder das Opfer meiner Naivität geworden bin… Hoffe, dass Drakomir zu mir hält, ungeachtet meiner Fehler.
Was mir vorgeworfen wird, verstehe ich nur bedingt. Die Sorgen des Fürsten sind verständlich, wenn auch nicht berechtigt, ist er doch dafür verantwortlich, dass seine Untergebenen loyal zu ihm stehen. Es war nie meine Absicht dessen Autorität zu unterwandern, gut, ich hätte mich noch besser verteidigen können, aber gebracht hätte es wenig. Es gibt für ihn keinen Grund mir zu vertrauen.
Was dieses Weib mir vorwirft, kann ich oder will ich nicht so recht sehen. Was will sie erreichen? Ist es der Versuch Aufmerksamkeit zu bekommen auf Kosten meines Ansehens? Ich habe Worte unbedacht ausgesprochen, wieder ein Fehler, keine Bedeutenden Worte, Nichtigkeiten. Weshalb misst sie meinem Wort so viel Bedeutung bei? Aus eigener Unsicherheit? Vielleicht sind es aber einfach nur niederträchtige Absichten, die sie verfolgt. Ich werde ihr aus dem Weg gehen. Verdammt! Sie ist seine Schwester, diese Tatsache schmerzt umso mehr, so weiß ich doch, dass ich ihm Kummer mit meinem Verhalten bereite.
Einen Weg sehe ich immer noch nicht aus dieser Lage heraus, wurde mir nun auch die Möglichkeit des offenen Gesprächs mit Drakomir genommen, nein, viel schlimmer noch, muss ich nun auch hinnehmen, dass sich in solche eingemischt wird. Es bleibt abzuwarten wie lange diese Situation für mich tragbar ist.
Der Blick nach vorne ist mir zurzeit versperrt, ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass man mir die Augenbinde abnimmt und ich wieder klar sehen kann. Die Zeit wird zeigen wann und ob das geschieht. Geduld scheint meine Prüfung zu sein.
Ein Premierenblog! I like! Sehr! =)