Nach Westen oder “Nur ein Hobbit.”

Myrsan
7. Juli 2008 • Kommentare: 5

ooc: Die folgenden Ereignisse fanden vor etwa 60 Jahren statt. 

Der Regen fiel vom Himmel wie eine Wand. Myrsan vermochte kaum den Mund zu öffnen so stark floss das Wasser an seinem Gesicht herab. Einige Kilometer entfernt zuckten fahle Blitze vom Himmel und erhellten das graue Licht der Morgendämmerung. Irgend jemand, vielleicht mit den Augen eines Elben, hätte einige Tränen zwischen den vielen Wassertropfen ausmachen können. Doch es war kein Elb da.Außer Myrsan lagen nur noch zwei tote Wesen auf diesem östlichen Feld des Auenlandes. Ein mächtiger Ork und ein Hobbit. Der Ork lag wie ein Baum gefällt mit dem Gesicht nach unten. Seine Arme waren am Körper angelegt und wie ein kleiner See färbte sich das Wasser rot um seine Leiche herum. Neben dem Hobbit lag der Hut eines Grenzers. Mit offenen Augen und großer Angst im Gesicht starrte der Halbling in den düsteren Himmel.

Myrsan kniete neben dem Hobbit nieder. Mit seiner groben Hand strich er leicht über sein Gesicht. Die Bewegung mit der er die Augen des Halblings für immer schloss, schien routiniert. Schon oft hatte er Gefährten so die letzte Ehre erwiesen.

Der Regen lies etwas nach als Myrsan immer noch über neben dem Hobbit kniete. Vielleicht waren 30 Minuten vergangen, eine Stunde oder mehr? Myrsan hatte die Zeit vergessen. Sie schien angehalten zu sein als er das dumpfe und matschende Geräusch seines Knies hörte, dass sich ein Stück in den nassen Boden bohrte. Am Boden zerstört…. endlich. Endlich?

„Nein, nicht nur ein Hobbit. Soviel ist sicher. Leb wohl, kleiner Halbling!“, murmelte Myrsan. „Wir sehen uns wieder, in einer anderen Welt.“ Leise zischend sog er die Luft ein. Noch weit entfernt hörte er plötzlich Rufe und aufgeregte Schreie. Weitere Grenzer näherten sich. Sie umringten Myrsan, welcher sich langsam erhob und nun mit gesenktem Kopf in einem Kreis von Hobbits stand.

„Was ist passiert? Wieso ist Deriweis tot? Wer sind sie?“, bedrohend kamen die Grenzer näher, die Schwerter gezückt. Myrsans Gesicht war unter der triefnassen Kapuze nicht zu erkennen. Er schwieg lange und schien sich durch die bewaffneten Hobbits nicht bedroht zu fühlen. Langsam drehte er sich im Kreis um seine eigene Achsen und betrachtete jeder der Halblinge. Mutige Hobbits, keine Frage. Zu allem entschlossen und doch sich der Gefahr nicht bewusst, in der sich das Auenland seid vielen Jahren befand. Myrsan versucht sich nie von ihnen sehen zu lassen.

Stumm hob Myrsan leicht den Arm und wies auf den toten Ork. Durch die Bewegung wurde ein langer und reich verzierter Dolch an Myrsans Seite sichtbar. Etwa in der Mitte war er leicht gebogen. Die Unterseite der Klinge lief am Ende in einer weichen Krümmung auf deren Oberseite zu. Fremde Schriftzeichen mit reichen Ausschmückungen schienen die Geschichte dieser Waffe und seines Trägers erzählen zu wollen. Die grün funkelnde Klinge schien scharf und hart zu sein.

Die Hobbits fühlten sich durch den Dolch sichtlich bedroht. Sie zogen den Kreis immer enger und Myrsan hob vorsichtig seine Arme. „Freund oder Feind!“, schrie der Hauptmann der Grenzer ihn fragend an. Myrsan musste überlegen. Er hatte den Hobbit retten wollen, soviel war sicher, aber war er ein Freund der Hobbits? Ihr Feind? „Was habt ihr im Auenland verloren? Seid ihr ein Räuber?“ Fordernd kam der Hauptmann immer näher an Myrsan heran und berührte mit seinem Schwert die rechte Seite seines Mantels. „Und was ist das für eine Waffe die ihr bei Euch tragt?“
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2 Stunden zuvor
Myrsan hatte getrunken, und zwar reichlich. Bier, Wein, Met, alles was sich im Tänzelnden Pony fand. Ja, der Ruf der Waldläufer ist seid jeher kein guter. Nicht bei den Menschen und nicht bei den Hobbits, zu deren Verteidigung Myrsan vom obersten der Waldläufer abgestellt war. Mit seinen 23 Jahren war Myrsan schon weit herumgekommen, dem Grad seines Charakters nach jedoch noch jung und sorglos. Sicher war er einer der Gründe, weshalb Waldläufer in Bree nicht gern gesehen waren. Manche Rauferei hatte er schon angezettelt und schon oft verwarnt worden. Seine letzte Chance sich zu ändern, hatte er vor einigen Wochen bekommen, als er betrunken einige Menschen quer durch das Armenviertel geprügelt hatte.

Nun stand er nahe Bockland, hielt sich an einem Baum fest und goss ein weiteres Bier in sich hinein. Die Sonne schien doch dies würde nicht mehr lange so anhalten. Am Horizont sah Myrsan Wolken, welche von dem böhigen Wind rasch herangetrieben wurden. Auf der anderen Seite des Brandywein sah er einen Hobbit laufen. „Hobbits.“, murmelte Myrsan. Es gefiel ihm gar nicht Tag ein Tag aus, auf ein Volk unwissender Gnome aufpassen zu sollen. Er war doch zu größeren bestimmt! Ein Mensch des Westens, reinen Blutes und aus gutem Hause. Heldentaten wollte er vollbringen. Horden wütender Orks bezwingen und in die Chroniken der großen Dunedain eingehen. Bester in der Kampfausbildung, fast elbsich-geschärfte Sinne in Augen und Ohr, langgewachsen und von edlem Aussehen. Nun stand er hier…. Betrunken und frustriert an einem Baum gelehnt und belustigte sich über den Halbling, welcher ihn gesehen und etwas hinüber gerufen hatte. Myrsan hatte nicht darauf geachtet…. Der Hobbit war ihm egal. „Nur ein Hobbit.“, brüllte Myrsan, hob seinen Bierkrug und prostete dem Hobbit zu.

Scheppernd platzte der Krug auseinander und Myrsan schrie vor Schmerz auf als eine stumpfe Axt mit dem Stiel gegen seine Hand schlug. Viel zu betrunken um schnell zu reagieren stolperte Myrsan in einen Ork hinein. Myrsan schlug nach ihm doch dem Ork gelang es mit Leichtigkeit auszuweichen. Blitze trübten Myrsan das Augenlicht als eine eisenbewehrte Faust ihn an der Stirn traf. Er sackte zusammen und fiel auf seine Knie. Seine linke Hand griff rasch an seine Seite und zog einen langen, verzierten Dolch hervor. Myrsan lies sich nach hinten fallen und entkam damit dem Schwert, welches vom Ork zu seiner Hinrichtung auf ihn herabgeführt wurde. Er wäre enthauptet worden und der Ork war von der schnellen Rückwärtsbewegung seines Opfers überrascht.

Die ersten Regentropfen benetzten die grün schimmernde Klinge. Myrsan führte sie in der linken Hand, bog sich kurz nach links um sich mit dem Ellenbogen und dem Bein abzustützen, winkelte den Arm etwas an und schnellte dann hinüber auf die rechte Seite. Der Ork stoppte mitten in einer weiteren Schlagbewegung, als er Myrsan plötzlich nah auf sich zurollen gesehen hatte. Zuerst begriff er nicht was geschah, wollte erneut zu einem Schwertstreich ausholen, als ein brennender Schmerz in seinem Bein ihm den Atem raubte. Der lange grüne Dolch steckte quer in seinem Oberschenkel. Myrsan dreht die Klinge kurz und zog sie dann mit einem kräftigen Ruck aus dem Bein seines Gegners. Der Ork knurrte böse als sich Myrsan von ihm abwandte und ihn nicht mehr zu beachten schien. Er würde diesem Menschen sein Schwert genüsslich in den Rücken stoßen.

Myrsan beachtete den Ork nicht mehr. Er hatte ihm die Hauptschlagader durchtrennt und es war nur eine Frage weniger Augenblicke bis dem Ork die Ohnmacht heimsuchen würde. Seine Aufmerksamkeit galt nun dem anderen Ork, welcher auf der anderen Seite des Flusses mit dem Hobbit kämpfte. Dort war ein Kampf entbrannt welchem der Hobbit nicht gewachsen war. Der Ork hatte ihn schon entwaffnet als Myrsan die beiden erreichte. Mehrmals war Myrsan über seine eigenen Füße gestolpert und durch den Alkohol drehte sich alles in seinem Kopf. Der Regen tat sein Übriges um dem Waldläufer die Sicht zu trüben. So schrie er einfach in Richtung Ork, fiel ihm in die Arme und ohne wirklich etwas zu sehen rammte er dem stinkenden Abschaum seinen Dolch in die Bauchhöhle. Wie vom Donner gerührt viel der Ork neben dem Hobbit zu Boden, als Myrsan seine Waffe aus ihm herauszog.
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„Nein, ich bin kein Freund der Hobbits. Diesen dort habe ich jedoch nicht getötet. Er starb durch die Axt des Orks.“ Myrsans Stimme klang dumpf und resignierend. Als die Grenzer ihren Freund näher untersucht hatten glaubten sie den Worten des Menschen und lockerten den Ring um ihn. Wortlos wandte sich Myrsan nach Osten, in Richtung Bree. Doch er ging nur einige Schritte, zog die Luft tief ein und schloss seine Augen. Dann drehte er um und ging Richtung Westen. „Wohin geht ihr jetzt, Mensch!“, rief ihm der Hauptmann der Grenzer nach. Er erhielt keine Antwort.

  1. Elyawyn sagt:

    Willkommen im Blog des Wahnsinns *ditsch*

  2. Liniath sagt:

    wirklich schön geschrieben 😀 ich freu mich auf mehr und auch von mir ein willkommen 😀

  3. Alejandro Salas sagt:

    Die folgenden Ereignisse spielen sich im Zeitraum von 11:00 Uhr bis 12:00 Uhr ab… *grins*

  4. Najisa sagt:

    Müüüüüüüüüüürsel~ *knuddel*

  5. constancia sagt:

    Grüß dich Myrsan. Gut geschrieben undglaublich gute Darstellung der Gefühle und Stimmung. Mehr davon.

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