Vor Monaten…
Es war fast, als würde man bei Hofe auf etwas lauern. Man hatte Cinlir und seine Frau Sybell schon vor gut zwei Monaten nach Minas Tirith berufen – und damit ihn vom Schlachtfeld. Seine Position dort hatte er an Enlir übertragen, schweren Herzens. Für ihn kein Grund zur Freude, lediglich für seine Gattin. Und eben deren Freude war es, die diesen Besuch bei Hof erträglich machte. Auch, wenn man sich hier fortwährend in Schweigen hielt was den Grund seiner erforderten Anwesenheit war.
Als die Wochen längst unerträglich geworden waren, rief man ihn zum Kämmerer des derzeit ersten Mannes in Gondor. Wäre er die Art Mann gewesen wie der Tote, dessen Platz er nun einnehmen sollte, dann wäre ihm an dieser Stelle bereits aufgefallen, dass irgendetwas nicht stimmte. Spätestens weil es eben der Kämmerer war, der das gesiegelte Schreiben übergab – nicht der Amtsinhaber selbst. Aber so fehlte dem Herzog – und jetzt Fürst – jedes Bauchgefühl dafür. Auch Sybell hatte sich von seiner Zuversicht und seinem Enthusiasmus zuert mitreißen lassen. Jedenfalls bis sie sich näher mit den Nachforschung über ihr neu erworbenes Hoheitsgebiet befasst hatte…
Minas Faer, so stellte sich heraus, war eine Stadt, die derzeit noch nichteinmal zur Hälfte existierte. Irgendwo zwischen zwei Wasserfällen betätigten sich unzählige Steinmetze daran das Gesicht der Stadt aus dem Fels zu schlagen. Der bisherige Hausherr, Alejandro Salas (ein Name, der Cinlir und Sybell irgendwie so gar nichts sagen wollte), war, den Aufzeichnungen nach, jemand, der einzig durch eine ausreichend große Spende – die unmöglich von einem Mann allein stammen konnte – an diesen Titel und eben das kleine Stück Land gekommen war. Zu einem echten Namen hatte ihm das aber nicht verholfen. Lediglich einen anderen Salas, Varenim sein Name, kannte man hier und dort. Kein all zu bedeutender Mann, lediglich ein viel zu gut betuchter Magistrat einer Stadt deren Name Cinlir auch schon wieder entfallen war.
Und dieses zweifelhafte Erbe hatte man ihm also für die Dienste an seinem Land gegeben. Somit würde es ab jetzt nicht einfach heißen: Cinlir Winthallan, 9. Herzog zu Ost Agar. Ab jetzt wäre es: Cinlir Winthallan, 2. Fürst zu Minas Faer, 9. Herzog zu Ost Agar. Klangvoll, wie er fand. Was konnte es da schon bedeuten, dass er um diesen Titel anzutreten, angehalten war den Großteil des Haushalts des Verstorbenen im Breeland aufsuchen müsse.
Nichts konnte so schlimm sein, dass man es als Herzog nicht unter Kontrolle bekam. Außerdem war das hier eine Auszeichnung! Cinlirs Freude war überschwenglich gewesen. Und so war jedweder Zweifel auch schnell wieder vergessen.
Nichts konnte Cinlir wirklich auf das vorbereiten, was er vorfinden würde. Ein Haufen, der zu verschiedenen Graden geistig verwirrt zu sein schien. Eidbrecher, Verbrecher, Taugenichtse. Die Begabung über ihre vordergründigen Fehler hinwegzusehen, fehlte ihm gänzlich. Warum nur sollte irgendjemand Männer wie diese in seine Dienste genommen haben?
Es brauchte Monate, bis er heraus fand, dass auch der erste Fürst selbst ein Kapitel für sich war. Ein Mann, nicht minder wahnsinnig als die meisten, die ihm folgten. Getrieben von Pflichtbewusstsein auf der einen Seite – und den eigenen Trieben und Instinkten auf der anderen. Eine unglaubliche Intuition, gepaart mit einem Verstand, der in seiner Schärfe Cinlirs Schwert neidisch gemacht hätte. Aber eben auch ein Mann voller Fehler. Fehler, die ihn letztendlich das Leben kosteten. Damit auch das Glück seiner jungen Familie. Und die Zukunft seines gerade erst geborenen Sohnes.
Die Mitglieder des Haushalts? Inzwischen hatte er sich zumindest an den ein oder anderen hatte er sich inzwischen gewöhnt. Giselher Aldorn hatte er zu seinem ersten Ritter gemacht – eine Ehre, die in all der Zeit, die er nun schon Herzog war, niemandem zuteil geworden war. Sein Bruder Enlir wiederum hatte ihm inzwischen seinen besten Mann geschickt – Tharelgond Elteror, seinerseits Freiherr.
Das meiste Gewicht hatte jedoch Sybell zu tragen. Sie war es, die ihn sah, wenn er nach Hause kam und die Masken wenigstens in Teilen fielen, auch wenn er sogar ihr gegenüber selten überhaupt Schwäche eingestand. Dennoch, eine kluge Frau wie sie durchschaute ihn so oder so…
Aus all dem Enthusiasmus war Frustration gewesen. Wut. Wehmut. Das unbestimmte Gefühl in jeder Beziehung versagt zu haben. Ihn hielten nur wenige Fäden. Und er kannte den Namen jedes einzelnen von ihnen. Blieb nur zu beten, dass sie nicht reißen würden…
Ohje, irgendwie traurig…
Lass mich dir ein Horn anreichen, auf dass du in selbiges stoßen mögest. 😉 Ich glaube ja, der Giselher kann davon auch grad ein Liedchen pfeifen, wie das so ist, mit enttäuschten Hoffnungen und so…