Liebe Merit,
es gibt viel und doch irgendwie nichts zu berichten aus dem Breeland doch ich wollte Dir trotz allem einen Brief zum Sonnenwendfest zukommen lassen und mich vor allem für Dein Paket bedanken. Alle haben dankbar Deine Geschenke angenommen und ich soll Dir ihren Dank und ihre Liebe schicken.
Die Zeit hier vor dem Julfest ist anders und doch irgendwie ähnlich wie sie bei Dir trotz allem sein muss. Es ist geschäftig, emotional, etwas chaotisch und fröhlich. Ich habe auch schon etwas von Deinen Keksen gebacken. Dieses Jahr aber tatsächlich um einer neuen Freundin das Schreiben und Lesen beizubringen und ich denke, sie staunte nicht schlecht als sie plötzlich feststellen musste, dass sie ein Wort aus Keksteig geschrieben hatte. Die wirkliche Masse an Keksen werde ich aber in den nächsten Tagen mit meinen Freundinnen Sveawyn und Fianah in Angriff nehmen. Es ist sehr erstaunlich und bedauerlich, dass es hier so viele Personen gibt, die es gar nicht kennen wie es ist eine Familie zu haben und Familientraditionen. Ich gebe mir reichlich Mühe ihnen vor allem in dieser Zeit zu zeigen, dass ich eine Schwester für sie bin und sie liebe und zu ihnen stehe. Fianah, die ist derzeit die Gehilfin vom Medikus, kommt aus dem Armenviertel von Bree und hat gar keine Familie. Ich werde mal gucken, ob ich sie nach der Geburt von unserem Kind mithilfe meiner Brüder hier ein wenig ausbilden kann. Ich glaube, sie hat daran Interesse. Wer weiß, vielleicht wird sie ungeahnter Weise eine Klinge. Sie ist übrigens auch meine Hebamme und meint, dass es wahrscheinlich ist, dass wir einen Sohn kriegen. Sollte das so sein, wird er Gernoth-Lucan heißen. Du siehst, mein Erbe werde ich nie vergessen. Genauso wenig wie es Drakon, Gyroir und Britha tun werden. Es ist gut, dass sie hier sind, Merit. Durch sie weiß ich stets wer und was ich bin und sie schaffen es, dass mir mein Weg stets klar und deutlich ist.
Doch die letzten Tage waren sehr geschäftig und wirr, teilweise im Guten, teilweise im Schlechten. Einerseits habe ich mit Fianah einen Plan gefasst gehabt und so waren wir gestern auch mit Heridan, dem Medikus, im Armenviertel in Bree und haben Kleidung, Decken und Lebensmittel verteilt. Es ist wirklich erschreckend zu sehen, wieviel Armut doch herrscht. Armut, aus denen jenen nicht herausgeholfen wird und einerseits scheinen die Armen eng zusammen zu stehen und doch andererseits im Kampf um das Überleben Feinde zu sein. Das hat mich alles sehr nachdenklich gestimmt.
Ebenso nachdenklich stimmt mich die Stimmung von Giselher. Vor ein paar Tagen gab es irgendwie eine Auseinandersetzung zwischen ihm und seinem Knappen und er war sehr wütend. Ich glaube, es schockiert und überrascht ihn immer noch selber wieviel Zorn in ihm stecken kann. Diesen Zorn hat er dann an Gyroir ausgelassen, der nach dem Streit zufällig um einen Übungskampf bat. Nun ja, das vorläufige Ende der Geschichte ist, dass Gyroir einen gebrochenen Arm hat und derzeit dienstuntauglich ist. Und sich Vorwürfe macht von hier bis nach Gondor, dass er es nicht vorhergesehen hat, wie zornig Giselher ist und sich nicht richtig gewehrt hat. Zusätzlich macht sich natürlich Giselher wahrscheinlich noch mehr Vorwürfe, dass er in so einem heißen Zorn agiert hat. Aber es macht mich stolz auf ihn. Er hat Gyroir, und Du weißt was er kann, besiegt und das sehr vehement. Ich weiß nun, das, sollte er in die Schlacht ziehen, sehr gute Chancen hat zurück zu kehren und Du kannst verstehen, dass mich das beruhigt. Andererseits muss er lernen, wie er den Zorn kanalysiert und kalt und berechnend werden lässt, so wie eine Klinge es tun würde. Aber Drakon und Gyroir sind da und sie werden es ihm lehren.
Ich habe das Gefühl, Merit, dass wir alle in den letzten zwei Jahren schneller gealtert sind, als es normaler Weise der Fall ist. Zumindest in unseren Gedanken, unsere Herzen bleiben die gleichen und es ist schwer dies beides zusammen zu kriegen. Drakon zum Beispiel kommt mir vor wie ein alter Mann, rein von seiner Denkensart her. Er war schon immer ruhiger und weiser als die meisten von uns, bedachter, doch derzeit…nun ja. Es ist wohl so, dass Cyrah, die ich oben erwähnte, sich in ihn verliebt hat. Dazu muss man sagen, dass sie noch sehr jung ist, ich schätze so siebzehn Sommer. Sie ist auch was viele Dinge betrifft unglaublich schüchtern und unerfahren und dennoch hatte sie ein Leben vorher, was sie weiser gemacht hat als so manche Frau mit siebzehn Sommern eigentlich ist. Ich habe ein gutes Gefühl bei dem Gedanken von ihr und Drakon. Er kann ihr mit seiner Lebenserfahrung Halt und Weisung bieten, sie ihm Liebe, Wärme und die Jugend ein wenig zurück. Er streitet natürlich alles ab, oder vielmehr meint er natürlich er sei zu alt sowohl vom Alter als auch von der Denkensart her und meint er könne sie zu sehr verletzen. Ich verstehe seine Bedenken aber andererseits denke ich auch, dass sie in der Lage ist seine Art einzuschätzen und sich dadurch, dass sie sich verliebt hat, dafür entschieden hat, dass es das richtige für sie ist. Naja, man wird sehen. Zumindest habe ich ihm das Versprechen abgeluchst in diesem Fall auf sein Herz und nicht auf seinen Verstand zu hören.
Was uns überrascht und gefreut hat, ist, dass unsere Schwester Eolwen wieder gesundet ist und auch schon auf Drakon und Gyroir getroffen ist. Ich habe sie noch nicht gesehen, noch nie gesehen, war sie doch noch schwer krank, als ich ins Breeland kam. Drakon sagt, sie sei zornig auf Damares, eine Tote. Zornig über ihre Rettung nach der Schlacht, in der sie fast gefallen wäre und wünscht sich wohl nicht mehr unter den Lebenden zu weilen. Se scheint gebrochen und sieht sich wohl nicht mehr als Schwester. Für uns war, ist und bleibt sie ein Teil der Familie. Mal sehen, wie sich dies entwickeln wird. Ich hoffe, dass ich sie bald treffen kann.
Ja, ansonsten gibt es nichts zu berichten. Mein Bauch wird täglich voluminöser und ich freue mich wie eine Schneekönigin auf das Kind. Ich bin immer noch so wahnwitzig glücklich mit Giselher, dass ich manchmal das Gefühl habe, ich gehe allen auf den Kekse mit meinen Lobhudeleien. Und wie furchtbar auch das letzte Jahr war, dieses war gut. Sehr gut. Ich habe einen Mann, viele Freunde und noch meine Familie um mich. Ich hoffe, Euch geht es auch gut und Du stehst trotz allem wie jedes Jahr gerade in der Küche mit tatkräftiger Unterstützung. Nochmal danke für Deinen Brief und Deine Geschenke!
In Liebe,
Deine Tochter Bryanne
Ja! Kekse backen! 🙂
„Genauso wenig wie es Drakon, Gyroir und Britha tun werden. Es ist gut, dass beide hier sind, Merit.“ <– hmmm, welcher/welche von den dreien zählt bei Bry wohl nicht? 😛
Aber ansonsten: Man kann Bry doch echt nur lieb haben.
Hach Gott, ich mag se ja, die Bry.
Das fiel mir auch ins Auge, Genosse 😀
Und das unterschreibe ich. Lieb haben und so 🙂 *anflausch*
*Nec angeknusert anseh* hab’s geändert. *alle anderen flausch*