Als ich wie von einem Dahergelaufenen empfohlen – auf das gondorische Anwesen Minas Faers in Bree reite, ragt ein schlichtes Bauwerk vor mir aus dem matschigen Boden. Drumherum wuchert eine Menge Grünzeug und ein steinernes Gebilde thront auf einem Hügelchen, wie der Schaum auf meinem flüssigen Gold. Man vernimmt das schwere Rauschen eines Wasserfalls. Die Luft ist feucht, viel zu feucht für meine Lungen. Ich huste kurz, schliesse die Augen, sitze ab und beruhige Ngigi ein wenig. Sie schnaubt. Ihr scheint es egal zu sein, wohin wir reiten, solange sie nur ihre Stampferchen in Bewegung lassen kann… Ich mache mich also schleunigst daran die schwere Tür aufzuziehen. Das dicke Holz knarrt, doch schliesslich geben die Scharniere nach und winden sich. Im Inneren des Hauses ist es wesentlich angenehmer. Die Luft ist trockener und es ist um einiges wärmer. Scheint an den Kaminen zu liegen. Allerdings treffe ich nur eine einzelne verdammte Wache an! Nur eine Wache! So ein Schmarn! Das Bürschchen steht stramm wie ein Bäumchen zum Wintereinbruch. Eisig und emotionslos. Aber das Bäumchen kann sprechen und teilt mir mit, dass der Fürst sich mit samt seinen Anhängseln auf der Jagd befindet- irgendwelche Säue schiessen. Murrend verlasse ich ohne Gruss das Anwesen. Der Tölpel wusste nicht einmal, wann der Herr Adelig zurück sein würde. Heisst für mich also warten…
Aber nicht einmal während ich warte, kann ich mich beruhigen. Gerade als ich mich ins Gras fallengelassen habe, quakt doch glatt jemand: „Ein ungünstiger Platz, um sich auszuruhen.“ Natürlich ist er das! Ich sitze direkt mit meinem Hintern im nassen Grass und jede Wache könnt mir auf den Scheitel spucken. Ich schaue mich um, kann aber niemanden entdecken. „Wer sagt das?“ frage ich also und bekomme ein arrogantes „Ich!“ zur Antwort. Wie sich sehr bald herausstellt ist der selbstverliebte Träger dieser Arroganz ein gewisser Stallbursche namens Mourice. Einbrecher, vielleicht auch Dieb. Nehme diese Information mit Kusshand an mich und nutze sie, wie meine Klingen. Gestochen scharf und immer zielgerichtet. Manchmal jedoch, kann eine Information weit schärfer sein, als die beste Elbenklinge. So auch diesmal. Wir unterhalten uns und mein Seitenhieb bricht ihm fast das Genick. Wie zu erwarten ist er nicht sehr erfreut über diese Nahtoderfahrung und reagiert angesäuert. Ich wende das Blatt genau im richtigen Moment. So macht man sich Freunde, Jeny! Klappt tatsächlich. Am nächsten Tag verstehen wir uns bestens. Ich mich aber nicht mit meinem Schicksal und so brummen die Valar mir eine Pharse nach der anderen auf.
Der Fürst ist ein eigenartiger Vogel. Beschwingt und dennoch bestimmt. Ob er im Sommer auch gen Süden flattert? Sehr zuvorkommend, steht sich selbst vielleicht manchmal im Weg, wer weiss. Der Leutnant ist die Neugier in Persona und der stolpert wohl auch eines Tages über seine Überheblichkeit. Aber in meinem kalten Wahn mich doch noch in ein Adelsnest begeben zu haben, in dem man mir die Augen auspicken könnte, kann ich da auch mehr als falsch liegen. Meine Befürchtungen lasten dennoch auf mir, wie ein nebliger Schleier und die Treppe hinauf zum Henker ist somit erklommen. Wieviele Schritte sind es noch? Jahre? Monate? Und wie sieht das Ende aus? Bekomme ich einen Blumenstrauss für meinen Gastauftritt in diesem Theaterstück oder ist da nur die Stille, die mich empfangen wird? Ach, selbst die Stille kann man gut zum Meditieren nutzen.
Meditativ melancholisch ist mir auch ein anderes Menschenkind aufgefallen. Elmion Cardaan. In seinem Alter einen solchen Knackarsch zu haben, sollte verboten gehören. Wenn der in seiner Rüstung steckt, ist das wie eine Kirschtorte mit Sahnegipfel. Einfach nur zum Auffressen! Und danach bitte jeden einzelnen Fiinger ablecken, damit auch ja nichts übrig bleibt! Bei den Valar, und dann ist der auch noch schüchtern… ein momentan ungeküsstes Fröschlein- oder ein biederer Ehemann. Ich vermute Erstes. Wenn ich doch nur einmal – nein, Jeny, reiss dich zusammen und lass die Finger von dem Kerl. Habe gemeinsam mit ihm Dienst, sollte ich einen Schwächeanfall bekommen. Im Falle des Versagens. Als ob ich da die Augen stur geradeaus richten könnte! Er hilft mir meine Rüstung anzuziehen. Die Handgriffe sitzen, aber er wagt nicht mich anzuschauen. Mich zu mustern schon garnicht. Auch nach dem Dienst ziehe ich mich wieder vor ihm um. Diesmal sogar selbstständig. Er reagiert peinlich berührt. Ich tue so, als würde ich das alles nicht bemerken, lasse mir aber nicht den Spass nehmen, ihn danach noch in Verlegenheit zu bringen. Fazit: Er ergreift mehr oder minder widerwillig die Flucht. Aber so schnell entkommt mir keiner!
Der Medicus Flusswieser, der mir im Allgemeinen nur erzählt was ich bereits weiss, verzieht keine Miene, als ich ihm oberkörperfrei gegenüber stehe. Daran erkennt man die Routine. Auch Mourice, der Stallbursche, traut sich nicht einmal mir ein paar verdammte Brotkrumen von der Bluse zu schnippen. Was ist bloss los hier? Haben die Männer hier alle den Bezug zur Weiblichkeit verloren? Na, nicht alle. Die Fürstin ist immerhin schwanger. Mindestens einmal muss der Herr Adelig also aktiv gewesen sein. Während der Schwangerschaft steigere sich das Lustempfinden der Frau, sagt man, und eine Schwangerschaft ist lang.
Wie auch immer. Zeit ist auf jeden Fall ein seltsames Gut – nichts Neues. Ich werde sehen, wieviel mir davon noch bleibt. Die nächsten Tage werde ich erst einmal mit dem Strom schwimmen und schauen, an welches Ufer er mich schwämmt.
Ps. Ndapewa.. Jendayi-N-Dapewa.. ist das so schwer auszusprechen?
Elmion und schüchtern? Sprechen wir von dem selben Mann? *g*
Sehr gut geschrieben, gefällt mir 🙂
Hrrhrr. Der würde gern nach Süden flattern – da ist der Krieg!
Willkommen im Blog, Jendayi!
Willkommen im Blog. 🙂
Eh, Elmo, du findest es doch nur gut, weil sie deinen Char heiß findet *fg*
Nagut, ok, ist ja wirklich gut geschrieben. 😉
xD
Das Problem ist ja, dass es im allgemeinen sehr schwierig ist, Heridan dazu zu bewegen eine Miene zu verziehen 😉 Aber sie wird noch ihre helle Freude daran haben über den herzuziehen.
Willkommen im Blog.
Elmion als Kirschtorte. Sehr schön 😀